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Schulter Aufbau |
Grundlagen Die Schulter besteht aus drei, vier oder fünf Gelenken, je nachdem, wie eng man den Begriff >Gelenk< definiert. Beginnen wir mit dem Schulterblatt: Es ist "frei schwebend" am Rücken positioniert und wird nur von der Muskulatur (!) am hinteren Teil des Brustkorbes gehalten. Es gleitet auf einer Gleitschichte auf den Rippen. Muskeln von der Wirbelsäule und von den Rippen bringen es in Position (man kann die Schulter hochziehen, nach vorne schieben, hängen lassen, oder zurücknehmen). Somit kann das eigentliche Schultergelenk (Glenohumeralgelenk zwischen Schulterblatt und Oberarm) in sehr viele Positionen gebracht werden. |
Begrenzt wird diese nahezu freie Beweglichkeit durch das Schlüsselbein. Ein kleines Gelenk zum Schulterblatt hin (Acromioclaviculargelenk oder kurz AC-Gelenk) und eines zum Brustbein (Sternoclaviculargelenk) beschränken die Beweglichkeit, erhöhen aber die die Stabilität und legen somit die Grundlage für die Kraftentfaltung und Kraftüberleitung vom Arm auf den Brusktkorb. Bleibt das echte Schultergelenk zwischen Schulterblatt und Oberarm. Sicher haben Sie gelernt, dass es sich dabei um ein Kugelgelenk handelt. Falsch ! Es hat zwar wie jedes Kugelgelenk 3 Freiheitsgrade der Beweglichkeit, ist aber viel komplexer aufgebaut als das man es einfach als Kugelgelenk abtun könnte. Mehr noch: als klassisches Kugelgelenk könnte es nicht funktionieren ! Zweischichtig ziehen die Muskeln vom Schulterblatt zum Oberarm. Die obere Schicht, bei Body-Bildern klar zu sehen und das äußere Erscheinungsbild prägend; darunter die tiefe Muskelschicht. Diese tiefe Muskel- und Sehnenschichte (Rotatorenmanschette) bereitet im Bereich der Orthopädie die meisten Probleme. Die Sehnen müssen nämlich unter dem Schulterdach hindurch zum Oberarm. Sie haben also zu beiden Seiten Knochen und Bandstrukturen, und noch dazu in einem sehr beweglichem Gelenk. Und weil sich unter dem Schulterdach Sehnen und Schleimbeutel, ja auch Sehnenscheiden befinden, umgeben von Knochen und Bändern, wird dieser Raum unter dem Schulterdach auch als "Gelenk" bezeichnet. |
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Eingrenzen der Beschwerden Das komplexe Zusammenspiel von Gelenken, Gelenkskapseln, Bändern, Schleimbeutel, Muskel und Sehnen machen eine diffizile Diagnostik an der Schulter so schwierig. Mehrmals wurde erwähnt, dass viele Muskeln von der Wirbelsäule und von den Rippen zur Schulter ziehen. Deshalb müssen bei einer Abkläung von Schulterbeschwerden immer auch die Halswirbelsäule und die Brustwirbelsäule sowie die Rippen als Verursacher der Beschwerden mit in Betracht gezogen werden. Da Störungen in diesen Strukturen oft rein funktionell sind und sich somit einer Rötgendiagnostik entziehen, ist es für mich unerlässlich, auch die Funktionsdiagnostik der Wirbelsäule zu beherrschen. Von der gestörten Rippenfunktion bis hin zum Bandscheibenvorfall kann vieles "Schulterr-Beschwerden" verursachen. Und gerade das macht für mich das Abklären von Beschwerden an der Schulter so interessant. Ist es also die Schulter, die Beschwerden verursacht ? |
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...zurück zur Schulter Dank massiver Forschung in den letzten 15 Jahren und den neuen bildgebenden Verfahren (Magnetresonanz, Ultraschall, Computertomographie) sowie vielen experimentellen Studien ist das Wissen um die Schulter geradezu "explodiert". Auch wenn wir der Schulter noch nicht die letzten Geheimnisse abgerungen haben, so haben doch all diese Anstrengungen ein sehr klares Bild vom Funktionieren der Schulter ergeben. Wie bei der Wirbelsäule auch, müssen wir zuerst differenzieren, ob es sich um eine Funktionsstörung oder um eine Strukturstörung handelt. |
Funktionsstörungen werden zum Beispiel hervorgerufen durch "Störung des Muskel-Gleichgewichtes", also wenn einige der erwähnten 18 Muskeln verkürzt sind, andere untrainiert. Dies führt dazu, dass das Schultergelenk nicht mehr "rund läuft" und im wahrsten Sinne des Wortes "an-eckt". Auch angeborene Instabilitäten der Schulter oder auch nur Laxizität der Strukturen können zu Funktionsstörungen führen. Strukturschäden liegen dann vor, wenn nach einem Unfall oder nach längerem Bestehen einer Funktionsstörung oder durch "Abnützung" Strukturen (Schleimbeutel, Sehnen, Gelenkskapsel, Sehnenscheiden...) tatsächlich Schaden genommen haben. Die häufigsten Probleme, die durch geschädigte Strukturen hervorgerufen werden, sind unter dem Schulterdach anzutreffen. Ob in diesem Raum Strukturschädigungen vorliegen, kann man, entsprechende Erfahrung vorausgesetzt, mit einer einfachen Ultraschall-Untersuchung abklären. In seltenen Fällen und bei speziellen Krankheitsbildern sind dazu weitere, teurere und aufwendigere Untersuchungen notwendig. |
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...die kleinen Gelenke Auch die kleinen Gelenke können Erkrankungen aufweisen, die früher oder später auch den Raum unter dem Schulterdach in Mitleidenschaft ziehen können. Vor allem Abnützungen (z.B.: AC-Arthrose) und Instabilitäten führen zu sogenannten Sekundärschäden. Daneben finden sich Entzündungen, entzündungsähnliche Phasen der Abnützung bis hin zu schweren Infektionen. |
Zusammenfassung Die Schulter ist sehr komplex aufgebaut. Dies ermöglicht einerseits die Funktionsvielfalt. Andererseits schafft dieser Aufbau ein hohes Reservepotential. Wenn nach und nach Strukturen geschädigt werden, können kompensatorisch andere Strukturen die verlorengegangenen Funktionen übernehmen. Es ist immer wieder verwunderlich, wie gravierende Strukturzerstörungen kompensiert werden können, und die Schulter erst Jahre danach auffällig wird. Dies macht auch die Behandlung so vielfältig. Bei gleicher Diagnose kann es durchaus gerechtfertigt sein, einen Patienten so, den anderen anders zu behandeln. |
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